Reiseimpfungen

Interview Alexander Waldhelm 2 (2)
Vorbereitung ist alles

Ist der Urlaub gebucht, drehen sich die Vorbereitungen vorrangig um Bademode und Strandlektüre. Doch bei aller Vorfreude dürfen auch die nötigen Reiseschutzimpfungen nicht in Vergessenheit geraten. Nicht nur, weil diese vor gefährlichen Tropenkrankheiten schützen. Die Gelbfieber-Prävention ist in bestimmten Ländern sogar Pflicht. 

Impfvorschriften

Welche Impfvorschriften für das gewählte Reiseland gelten, erfahren Urlauber u. a. auf der Website des Auswärtigen Amtes. Die Empfehlungen für freiwillige Impfungen hängen hingegen vom individuellen Reisestil ab. Denn während bei einer Pauschalreise in ferne Länder für gewöhnlich die Grundimmunisierung gegen Cholera, Typhus und Hepatitis A ausreicht, sollten tierliebe Backpacker sich zudem gegen das tödliche Tollwutvirus schützen.

 

Medizinische Beratung

Auch im Mittelmeerraum sind Touristen vor Infektionskrankheiten wie Typhus nicht gefeit – denn die Salmonelleninfektion überträgt sich durch kontaminiertes Trinkwasser und Lebensmittel. Also besser erst zur reisemedizinischen Beratung gehen und dann mit dem Urlaubsshopping beginnen.

 

Worauf musst Du achten und was rät der Experte?

GEIMPFT IN DEN URLAUB

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Deine Reisekasse

Damit du gesund von deiner Urlaubsreise zurückkommst, erstatten wir dir die Kosten der Reiseschutzimpfungen (maximal 200 Euro im Jahr).

Reiseschutzimpfungen bis 200 Euro

Unsere Extras für dich!

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Hepatitis A und B

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Tollwut

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FSME (Frühsommer-meningoenzephalitis)

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Gelbfieber

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Meningokokken A, C, W135, Y

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 Typhus

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 Cholera

Die Expertenmeinung

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Gefährliche Urlaubssouvenirs

Infektionsgefahr vom Mittelmeer bis in die Tropen

 „Im Optimalfall sollten Reiseschutzimpfungen vier Wochen vor Abreise erfolgen. Doch im Zweifel ist es immer besser, sich Last-Minute impfen zu lassen, als komplett auf den Schutz zu verzichten.“

Welche Krankheiten werden am häufigsten aus dem Urlaub mitgebracht?

Die Nummer eins unter den Urlaubsmitbringseln ist das Dengue-Fieber, das meist aus Asien und Lateinamerika importiert wird. Malaria hingegen wird hauptsächlich aus Westafrika mitgebracht. Allerdings kann man sich weder gegen das eine noch gegen das andere impfen lassen. Unter den impfpräventablen Infektionen gehört die Influenza zu den häufigsten Reiseerkrankungen. Wir behandeln aber auch jede Woche Menschen, die unterwegs Kontakt zu tollwutgefährdeten Tieren wie Hunden, Affen oder Katzen hatten und postexpositionell geimpft werden müssen. Zudem kommt es besonders auf dem indischen Subkontinent immer wieder zu Typhus-Infektionen.

Andere Länder, andere Infektionsrisiken. Wo informieren sich Reisende am besten, welche Schutzimpfungen nötig sind?

Es gibt vielfältige Möglichkeiten sich online zu informieren. Doch es ist wichtig, dabei auf seriöse Quellen zurückzugreifen. Dazu zählen zum Beispiel die Seiten des Auswärtigen Amtes oder der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG). Auch die App „Sicher Reisen“ des Auswärtigen Amtes ist empfehlenswert. Im Optimalfall sollte man jedoch vier Wochen vor Abreise bei einem qualifizierten Reisemediziner vorstellig werden. Viele Impfungen können auch noch kurzfristig erfolgen. Im Zweifel ist es immer besser, sich Last-Minute impfen zu lassen als komplett auf den Schutz zu verzichten.

Die wohl bekannteste Tropenerkrankung ist Malaria. Wie können sich Reisende vor der Infektionskrankheit schützen, gegen die es keine Impfung gibt?

Ich rate zu einer mehrschichtigen Strategie. Malaria wird durch nachtaktive Mücken übertragen, weshalb man sich besonders von der Dämmerung bis zum Sonnenaufgang vor Stichen schützen sollte. Das fängt bei einem physikalischen Schutz durch lange Kleidung an, die zusätzlich imprägniert werden kann. Zudem empfiehlt es sich, die Haut mit einem Spray zu schützen, das den Wirkstoff DEET in einer Konzentration von 30 bis 50 Prozent enthält. Nachts sollte man unter einem imprägnierten Moskitonetz schlafen oder eine Klimaanlage verwenden. In Hochrisikogebieten sollte zudem eine Chemoprophylaxe eingenommen werden. Bei richtiger Einnahme kommt man damit an einen nahezu hundertprozentigen Schutz heran.

Sind tropische Fieberkrankheiten anhand ihrer Symptome von einer normalen Influenza zu unterscheiden?

Die meisten dieser Erkrankungen sind sehr unspezifisch und somit nur sehr schwer voneinander zu unterscheiden. Der Arzt schließt bei einer sogenannten Differenzialdiagnose zunächst die Erkrankungen aus, die für den Patienten und die öffentliche Gesundheit am gefährlichsten sind. Eine Malaria ist von einer schweren Influenza erst einmal nicht zu unterscheiden. Grundsätzlich sollte jedoch ein Arzt aufgesucht werden, wenn das Fieber länger als 24 Stunden anhält. Zurück in Deutschland ist es wichtig, den behandelnden Arzt darauf hinzuweisen, dass man in den Tropen war. Andernfalls werden einige Krankheiten womöglich gar nicht erst in Betracht gezogen.

Welche Nebenwirkungen können Reiseimpfungen verursachen?

Die modernen Impfstoffe werden für gewöhnlich sehr gut vertragen. Lediglich der muskelkaterartige Schmerz an der Impfstelle bleibt niemandem erspart. In seltenen Fällen kann es auch für einen Tag zu grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen oder Temperaturerhöhungen kommen. Schwerwiegende Nebenwirkungen sind extrem selten.

Was raten Sie Familien, die eine Fernreise mit Kindern planen?

Das hängt davon ab, wo die Reise hingehen soll und wie alt die Kinder sind. Bedenklich finde ich den aktuellen Trend, die Elternzeit für längere Tropenreisen zu nutzen. Denn in der Regel ist es eine ungünstige Konstellation, wenn unerfahrene Eltern mit Kindern in die Tropen reisen, die noch zu klein für Standardimmunisierungen (wie z. B. die Masernimpfung) sind. Das sollte keinesfalls ohne eine eingehende Beratung passieren. Natürlich kann man auch hier keine Pauschalaussagen treffen. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig einem Experten im Tropeninstitut vorzustellen und sich gegebenenfalls mit einem alternativen Reiseziel anzufreunden.

Doch Krankheiten werden ja nicht bloß aus den Tropen importiert. Welche Infektionen werden innerhalb Europas unterschätzt?

Die Masern bleiben ungeschlagen auf Platz eins. Ich kann nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, dem Hausarzt regelmäßig den Impfausweis vorzulegen. In der Tropen- und Reiseambulanz habe ich es ausschließlich mit Menschen zu tun, die Impfungen gegenüber aufgeschlossen sind. Und trotzdem ist schätzungsweise jeder dritte Erwachsene inkomplett geimpft und muss nachgeimpft werden. Die Masern sind eine hochinfektiöse Erkrankung, die sich vor unserer Haustür befindet. Das wird leider unterschätzt.

Und zum Schluss: Wohin geht Ihre nächste Reise und was darf in Ihrer Reiseapotheke nicht fehlen?

Für mich geht es demnächst berufsbedingt nach Kamerun. Daher werde ich definitiv eine Malariaprophylaxe sowie einen Mücken- und Sonnenschutz einpacken. Außerdem nehme ich immer Pflaster und ein Wundspray mit, um im Notfall eine Verletzung versorgen zu können.