Risikofaktor Tattoos

Mann mit Tattoos

Tattoos und Hautkrebs?

Heutzutage sind Körperverzierungen, wie Tattoos, bei jüngeren und älteren Generationen im Trend. Kleine, große, bunte oder einfarbige. Für viele sind Tattoos Kunstwerke der Haut. Unter den Verzierungen können sich jedoch gefährliche Leberflecke verstecken. Tattoos als Riskofaktor für Hautkrebs?

Lies den Bericht von Jürgen. Ein großer Kerl voller Tattoos bekam merkwürdige Hautveränderungen im Gesicht.

Hautkrebs Undercover - versteckte Melanome

Tattoos

Versteck für gefährliche Leberflecke?

Körperkunst oder Krebsgefahr

Hautkrebs unter dem Tattoo

Wo sich Melanome überall verstecken können

Hautkrebs kann nur da entstehen, wo die Haut der Sonne ausgesetzt ist? Dies ist leider ein weitverbreiteter Irrtum. Zwar bildet sich insbesondere weißer Hautkrebs tatsächlich häufig an exponierten Stellen wie Unterschenkeln oder Gesicht. Doch schwarzer Hautkrebs (Melanome) versteckt sich manchmal auch gerne!

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Der Hautarzt untersucht gründlich

Deshalb untersucht der Hautarzt bei einem Hautkrebsscreening immer auch die Haut hinter den Ohren, die behaarte Kopfhaut, den Po, die Fußsohlen sowie den Genitalbereich. Sogar im Mund oder unter den Nägeln kann sich schwarzer Hautkrebs bilden. Besonders im Fokus stehen Leberflecke: Etwa jedes dritte Melanom wächst aus einem bestehenden Muttermal. Grundsätzlich gilt: Je mehr Muttermale, desto höher auch das Krebsrisiko.

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Ein Tattoo ist die optimale Tarnung für den Krebs

Tragen Sie außerdem ein oder mehrere Tattoos? Dann sollten Sie besonders wachsam sein! Ein Tattoo ist die optimale Tarnung für Hautkrebs und seine Vorstufen. Sogar der Hautarzt hat es hier schwerer und muss die Haut sehr sorgfältig untersuchen.

Ein Betroffener erzählt seine Geschichte

Mann mit Tattoos

HAUTKREBS UNDERCOVER

Tattoos und Hautkrebs, wie passt das zusammen?

Sieh genau nach – es lohnt sich

 

Jürgen bekam Hautveränderungen im Gesicht.

Jürgen ist auf den ersten Blick ein ganzer Kerl: groß, kräftig und voller Tattoos. Ein Typ, den so schnell nichts umhauen kann. Kaum zu glauben, dass er dem Tod gerade noch so eben von der Schippe gesprungen ist. Alles begann vor drei Jahren mit einer merkwürdigen Hautveränderung im Gesicht: „Es war eine schuppige kleine Kruste auf meinem linken Nasenflügel, die irgendwann aufriss, juckte und nicht mehr heilen wollte“, so der 42-jährige gelernte Maurer aus Stade.

Der Befund ist ein Schock: ein Plattenepithelkarzinom

Einen Termin beim Hautarzt bekommt er erst in sechs Monaten. Doch Freunde finden, dass das Ding auf Jürgens Nase gar nicht gut aussieht. Über eine Freundin erhält er einen kurzfristigeren Termin bei einem anderen Hautarzt.

Die Diagnose ist niederschmetternd

Keine Sekunde zu früh, denn der Befund ist ein Schock: ein Plattenepithelkarzinom! „Das ist eine Form von weißem Hautkrebs und nach einem Melanom, also dem schwarzen Hautkrebs, die gefährlichste Hautkrebs-Art“, weiß Jürgen heute. Es ist ernst – Jürgens Nase muss so schnell wie möglich unters Messer!

Jürgen muss operiert werden

Nach einer Biopsie ist klar, das Ding muss weg. Der weiße Hautkrebs wird in einer ersten OP großflächig entfernt. Auch die Lymphknoten an der linken Seite des Halses nehmen die Ärzte vorsichtshalber heraus. Das entstandene Loch an der Nase wird dann in einer zweiten OP mit einem Lappen aus der Stirn überdeckt. „Als ich aus der Narkose erwachte, sah ich aus wie ein Monster“, erinnert sich Jürgen. In einer dritten OP kümmern sich die Ärzte schließlich darum, die Ästhetik des Gesichts wiederherzustellen.

Alles bricht zusammen

Für Jürgen, der sonst kein Grübler ist, ist es die härteste Zeit seines Lebens – auch, weil die Beziehung zu seiner langjährigen Partnerin in die Brüche geht: „Mir hat es buchstäblich den Boden unter den Füßen weggezogen. Man versteht plötzlich, dass das Leben doch irgendwie ein Geschenk ist.“

Sind Tattoos ein gutes Versteck für Hautkrebs?

Eine Frage beschäftigt Jürgen dabei ganz besonders: Woher kommt sein Hautkrebs? Eine mögliche Ursache für das Plattenepithelkarzinom liegt auf der Hand. Als Maurer war er jahrelang fast täglich intensiver Sonneneinstrahlung ausgesetzt. „Ich muss zugeben, dass ich nie besonders auf Sonnenschutz geachtet habe, obwohl ich als eher blasser Typ öfter mal Sonnenbrand im Gesicht hatte“, so Jürgen. „Aber vor 25 Jahren, als ich mit dem Beruf anfing, war Sonnenschutz echt noch kein Thema.“

Haben Tattoos Einfluss auf seine Erkrankung?

Eine andere Ursache für Jürgens Hautkrebs könnte allerdings ganz woanders liegen – nämlich in seinen vielen Tattoos. In der Tat enthalten viele Tätowierfarben kanzerogene, also krebserregende Substanzen. Diese können, insbesondere bei tiefer gestochenen Tattoos, mit der Lymphflüssigkeit durch den ganzen Körper wandern und sich in den Lymphknoten ablagern. „Tattoos waren immer meine totale Leidenschaft. Ich hab mir mein erstes Tattoo mit 20 Jahren stechen lassen, und ständig kamen neue dazu“, berichtet Jürgen.

Sind die Farben gesundheitsschädlich?

Obwohl es inzwischen strenge Verordnungen gibt, sind Tätowierfarben noch immer alles andere als unbedenklich. Vor allem dunkle Farben wie Schwarz oder Blau gelten als gesundheitsschädlich und können Allergien und teils schwerwiegende Entzündungen auslösen. Daraus kann sich später unter Umständen Hautkrebs entwickeln.

Ein regelmäßiges Hautscreening wäre besser gewesen.

Zudem empfiehlt es sich für Tätowierte ganz besonders, unser kostenloses Hautkrebsscreening regelmäßig in Anspruch zu nehmen. Dabei wird die Haut von Kopf bis Fuß von speziell ausgebildeten Haus- oder Hautärzten gründlich untersucht. „Gerade unter einem großflächigen Tattoo kann sich Hautkrebs wunderbar verstecken“, weiß Prof. Dr. med. Randolf Riemann aus den Elbe Klinik in Stade. „Da ist es unwahrscheinlich, dass man Hautveränderungen selbst bemerkt.“

Weiterleben mit zehnfach erhöhtem Risiko

Zwei Jahre nach der Diagnose ist Jürgens Nase gut verheilt. Niemand sieht ihm heute an, was er hinter sich hat. Doch die Gefahr ist noch lange nicht gebannt: Alle drei Monate muss sich Jürgen einer aufwändigen Kontroll-Untersuchung unterziehen. Dabei überprüfen die Ärzte, ob sich irgendwo in Jürgens Körper neuer Krebs gebildet hat. „Ein Plattenepithelkarzinom ist ein bösartiger Krebs, der in einigen Fällen auch streuen kann“, so Prof. Riemann. „Deshalb ist eine Nachsorge über mindestens fünf Jahre sehr wichtig.“

Deshalb ist Nachsorge so wichtig

Abgesehen davon haben Menschen, die einmal an Hautkrebs erkrankt sind, ein zehnfach erhöhtes Risiko, dass dieser später erneut auftritt. Sie müssen sich also besonders gut vor UV-Strahlung schützen.

Immer gut eingecremt

Jürgen weiß: Er hat großes Glück gehabt. „Mir ist klar, das hätte auch echt böse enden können.“ Aus seinem Schicksal hat er gelernt! In die Sonne geht es nur noch gut eingecremt! Darüber hinaus versucht er, ein möglichst gesundes Leben zu führen und anders als früher auf Zigaretten und Alkohol zu verzichten.