Regenbogenfamilie

„Wie, du hast zwei Väter?“

Hurra, endlich ist Lotta drei und das Kita-Leben kann beginnen. Jan und Hendrik haben sich lange mit dem Thema beschäftigt und sich für die „Waldzwerge“ – eine im Grünen liegende Kinderbetreuung – entschieden. Hier gibt es nicht nur viel frische Luft, einen Spielplatz mitten im Wald, sondern – so denkt das homosexuelle Ehepaar – aufgeschlossene Eltern und Kinder. Wer sein Kind in einen Waldkindergarten gibt, der kann ja nur cool sein. So denken die beiden, die sich schon seit 15 Jahren kennen und lieben

Regenbogenfamilien bei den Waldzwergen unerwünscht

Begegnung der anderen Art

Der große Tag ist gekommen und Kinderbetreuerin Marie ist ein bisschen aufgeregt, wie die anderen Eltern zu Jan, Hendrik und Lotta sind. Schließlich ist ein schwules Paar mit einem adoptierten Mädchen nicht so häufig anzutreffen. Sie hat diese kleine Regenbogenfamilie schon beim ersten Kennenlernen ins Herz geschlossen und sich gefreut, als die Wahl der kleinen Familie auf ihre Einrichtung fiel.

Nachdem sich das Haus langsam mit den neuen Schützlingen füllt, stellt Marie fest, dass Jan und Hendrik schief angeschaut werden. Lotta, die von all dem nichts mitbekommt, drückt erst Papa und dann Papi einen Kuss auf die Wange und verabschiedet sich. Stolz über die Selbstständigkeit der Tochter, viele Kinder können sich kaum von Mama und Papa losmachen, brechen die beiden als erstes Elternpaar auf, um in ihren Arbeitsalltag zu starten. Zur absoluten Enttäuschung der Erzieherin schauen gleich drei Elternpaare den beiden kopfschüttelnd hinterher. Ein anderes Paar fragt allen Ernstes, ob tatsächlich ein schwules Eltern-Paar mit einer Tochter in diesem Kindergarten sei. Marie weiß gar nicht was sie sagen soll, wirbt für ein wenig mehr Offenheit und schwärmt von der kleinen Familie. Doch Marie macht sich Sorgen: Wird das Problem fortbestehen oder noch schlimmer, sich womöglich zu einer offenen Abneigung oder gar Hasskampagne gegen Hendrik und Jan und am Ende auch Lotta auswachsen? Und wie werden die Kinder damit umgehen?

Der Alltag einer Regenbogenfamilie? Der gleiche "Wahnsinn" wie überall.

Erzieher und Eltern als Vorbilder

Denn Kinder haben keine Vorbehalte

Für die Erzieher und Erzieherinnen in der Kita gibt es verschiedene Möglichkeiten, unterschiedliche Lebensweisen in den Kita-Alltag zu integrieren. Zunächst kann offen, z. B. im Morgenkreis über Regenbogenfamilien gesprochen werden. Kitas gestalten damit einen offenen Umgang mit dem Thema Familie und vermitteln, dass füreinander da sein und sich lieben wichtiger ist, als das Geschlecht der Eltern. Dazu gehört auch, dass das Kita-Spielzeug nicht einem Geschlecht zugeordnet wird. Der kleine Luca spielt genauso gerne mit den Puppen, wie er draußen Fußball spielt? Kein Problem! Beim Spielen oder in den Dingen, die Kinder mögen, sollte es keine Grenzen geben. Allen Kindern stehen die gleichen Angebote zur Verfügung.

Doch abgesehen von der Aufklärung und Erziehung der Kinder zu kleinen Erdenbürgern, für die Regenbogen-Familien oder Patchwork-Konzepte stinknormal sind, ist es auch wichtig Anreize für den Austausch und Diskurs zwischen den Eltern zu schaffen. Denn Offenheit für Diversität muss auch zuhause vorgelebt werden. Oft liegt die Ablehnung gleichgeschlechtlicher Modelle in einer unterbewussten Angst oder übernommenen traditionellen Denkweise, an der festgehalten wird. Doch lernen sich die Menschen kennen, tauschen sich auf neutralem Boden z.B. beim Kita-Sommerfest oder auf dem Eltern-Abend aus, fallen durchaus Ressentiments. Alles halb so schlimm, alles Menschen, wie Du und Ich, die nur das Beste für ihren Nachwuchs möchten.

Und wenn nichts hilft?

Traurig, aber wahr: Nach wie vor gibt es Menschen auf der Welt, die sich vor gleichgeschlechtlichen Partnerschaftsmodellen verschließen und diese vehement ablehnen.

Im schlimmsten Fall: Notbremse ziehen!

Tauchen massive Probleme oder Anfeindungen auf, schlimmstenfalls auch Mobbing unter den Kindern, bleiben kaum Optionen. Die endgültigste ist der Wechsel der Kita oder der Wechsel zu einer anderen Betreuungs-Form.

An dieser letzten Station sind Lotta und ihre beiden Väter aber noch nicht angekommen. Marie beschließt zunächst, auch im Austausch mit ihren Kolleginnen und Kollegen alle Weichen für ein gutes Miteinander von Groß und Klein zu stellen und wachsam und aufmerksam zu sein, um im Zweifel erklärend oder de-eskalierend eingreifen zu können.

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