Niemals Großeltern

Wenn die Kinder keine Kinder wollen

Für viele Menschen der älteren Generation gibt es fast keine schönere Vorstellung, als einen Kinderwagen mit dem eigenen Enkelkind zu schieben. Großeltern sein, so sagt man, sei wie Rosinenpicken - nämlich nur das Schönste vom Elternsein. Kinder genießen aber eben ohne Stress, Schlafmangel und Beziehungskrisen. Was aber, wenn die eigenen Kinder keine Kinder wollen und man niemals Großeltern wird? Lese hier, aus welchen Gründen sich junge Menschen immer öfter gegen Kinder entscheiden und wie ihr als Eltern das Thema behutsam ansprechen könnt.

Freiwillig kinderlos bleiben:

Warum wollen manche Menschen keine Kinder?

Nach ein paar Jahren Beziehung und den ersten Berufsjahren wird geheiratet, ein Haus gebaut und dann bekommt man Kinder. So sah das ideale Leben für viele Menschen der älteren Generation aus. Und was ist auch falsch daran? Es hat doch alles wunderbar geklappt. Dass aber nun die eigenen Kinder dieses Leben nicht wollen, kann bei Eltern auf Verständnislosigkeit stoßen. Darüber hinaus bleibt der Enkelwunsch vieler Eltern unerfüllt – das kann zu Streit und Stress innerhalb der Familien führen.

Es gibt viele Gründe, warum sich Menschen gegen Kinder entscheiden. Einige davon, versuchen wir hier zu erklären.

Freiwillig kinderlos bleiben wegen fehlender Strukturen der Kinderbetreuung

Die Rolle der Frau als Mutter und Hausfrau ist längst passé – und das ist gut so. Denn nicht nur die Frauen selbst profitieren von ihrer Selbstbestimmtheit und Freiheit – auch die Gesellschaft und Wirtschaft gewinnt dazu. Die Gleichstellung der Geschlechter ist beim Thema Kinderbetreuung allerdings nach wie vor nicht gegeben. Klar, Elternzeit kann heute auch von Männern in Anspruch genommen werden. Trotzdem obliegt die Kinderbetreuung in den meisten Fällen immer noch der Frau. Und das häufig, weil keine ausreichenden Kinderbetreuungsangebote vorhanden sind.

Frauen bleiben aus finanziellen Gründen häufiger zuhause

Wenn ein Partner zur Kinderbetreuung zuhause bleiben muss, entscheiden sich Paare in den meisten Fällen dazu, dass die Frau zuhause bleibt. Ein Grund ist der finanzielle Aspekt. Da auch heute noch Frauen schlechter verdienen als Männer, macht es finanziell gesehen mehr Sinn, dass die Frau zuhause bleibt. Durch dieses strukturelle Problem und das Fehlen von Kita-Plätzen fühlen sich manche Frauen gezwungen, auf Karriere verzichten zu müssen, um Kinder zu bekommen. Auch im Jahr 2022 scheint Kind und Karriere noch immer nicht möglich.

Mit dem Kind zuhause bleiben ist teuer

Für einkommensschwache Paare sind die fehlenden Kinderbetreuungsangebote besonders kritisch. Obwohl sie vielleicht gerne Kinder hätten, entscheiden sich manche Niedriglöhner gegen Kinder, weil sie es sich aufgrund fehlender und kostenloser Kinderbetreuung nicht leisten können. Wer keinen Kita-Platz hat, muss das Kind zuhause betreuen und kann demnach nicht arbeiten gehen. Das können sich einige Paare einfach nicht leisten.

Die eigenen Wünsche sind nicht automatisch die der eigenen Kinder.

Kinder ja oder nein?

Die Last der Frau

Die Entscheidung Kinder zu bekommen, obliegt jeder Frau selbst. Sich in diese Entscheidungsfrage – auch als Eltern – einzumischen, ist übergriffig und nicht angebracht. Denn Frauen müssen ganz schön viel auf sich nehmen, um Kindern zu bekommen. Neben Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit können folgende Dinge Frauen mit Kindern belasten:

  • Körperliche und psychische Erschöpfung
  • Fehlende Kinderbetreuung, dh. Frau muss zuhause bleiben.
  • Erfüllender Beruf muss ggf. aufgegeben oder nur in Teilzeit ausgeübt werden.
  • Durch nicht arbeiten oder arbeiten in Teilzeit verzichtet Frau nicht nur auf Geld, sondern auch auf die Einzahlung in die Rentenkassen.
  • Altersarmut ist weiblich.

Die Entscheidung ein Kind zu bekommen, kann Frauen in eine schwierige Lebenssituation bringen. Es verwundert also nicht, dass sich immer mehr Frauen aus rationalen Gesichtspunkten gegen Kinder entscheiden. Hier wäre der Staat gefragt, Familien bei der Kinderbetreuung mehr zu entlasten und Frauen, die Kinder haben und für diese zuhause bleiben, mehr finanzielle Unterstützung zuzusichern.

Gut zu wissen:

Nicht immer ist die Kinderlosigkeit gewollt. Unfruchtbarkeit ist ein immer größer werdendes Problem – auch unter Männern. Hier kannst du nachlesen, was man bei männlicher Unfruchtbarkeit tun kann.

Wie viel Prozent der Frauen bleiben kinderlos?

Ein Trend zeichnet sich ab

Die Zahlen der Frauen, die keine Kinder haben wollen oder können, steigt jährlich an. So waren z.B. in Hamburg rund 30% der Frauen zwischen 45 und 49 im Jahr 2018 kinderlos. In Berlin waren ca. 26% der Frauen kinderlos und in Thüringen ca. 13%. Die Zahl der kinderlosen Frauen korreliert zudem mit dem Grad der Bildung. Je höher der Abschluss, desto wahrscheinlicher bleiben Frauen kinderlos.

Lieber kinderlos bleiben aus Angst vor der Verantwortung

Keine Frage – Kinder zu bekommen und sie zu selbstständigen und verantwortungsvollen Menschen zu erziehen, ist keine leichte Aufgabe. Einige Menschen fühlen sich dieser Verantwortung nicht gewachsen und möchten deshalb keine Kinder bekommen. Zudem geben viele Menschen ohne Kinder an, die eigene Freiheit nicht aufgeben zu wollen. Ein Leben ohne Kinder kann für einige auch mehr Möglichkeiten der eigenen Lebensgestaltung bedeuten. Verpflichtungen wie Kindergarten oder Schule fallen ohne Kinder weg.

Kinderlos bleiben und Zweisamkeit genießen

Wenn ein Kind zur Welt kommt, verändert sich alles – auch die Einheit des Paares. Man ist plötzlich kein Paar mehr, sondern Eltern. Die Veränderung von zwei auf drei kann für viele Beziehungen Krisen bedeuten. Schlafmangel, Stress und Geschrei können sogar in Trennung enden. Deshalb entscheiden sich einige Paare gegen Kinder und genießen lieber die Zeit zu zweit.

Familienzuwachs verändert das Leben.

Ist es ok, wenn man keine Kinder will?

Kurz und klar: Ja! Wer keine Kinder bekommen möchte, muss und sollte keine Kinder bekommen. Klar ist leider auch, dass gerade auf Frauen ein gesellschaftlicher und sozialer Druck lastet, Kinder zu bekommen. Denn für viele Menschen ist das immer noch der “normale” Lauf der Dinge. Versuche dich vom Druck aus deinem Umfeld zu befreien und höre ganz tief in dich hinein. Wenn du Kinder bekommen möchten, ist das gut. Und wenn du keine Kinder bekommen möchtest, ist das ebenfalls gut. Über deinLeben bestimmst alleine du selbst.

Ist es ok, wenn man keine Kinder will?

Kurz und klar: Ja! Wer keine Kinder bekommen möchte, muss und sollte keine Kinder bekommen. Klar ist leider auch, dass gerade auf Frauen ein gesellschaftlicher und sozialer Druck lastet, Kinder zu bekommen. Denn für viele Menschen ist das immer noch der “normale” Lauf der Dinge. Versuche dich vom Druck aus deinem Umfeld zu befreien und höre ganz tief in dich hinein. Wenn du Kinder bekommen möchten, ist das gut. Und wenn du keine Kinder bekommen möchtest, ist das ebenfalls gut. Über deinLeben bestimmst alleine du selbst.

 

Unerfüllter Enkelwunsch:

Wie frage ich, warum meine Kinder keine Kinder wollen?

Das Thema Kinder ist heikel und sollte mit viel Empathie, Verständnis und Respekt angesprochen werden. Denn du kannst vorab nicht sicher wissen, ob die Kinderlosigkeit deiner Kinder gewollt oder ungewollt ist. Eventuell kann auch eine Unfruchtbarkeit des Paares vorliegen.

Wer seine Kinder auf das Thema Kinder ansprechen möchte, kann sich an folgenden Anhaltspunkten orientieren:

  • Nimm dir Zeit für das Gespräch. Dies ist kein Thema, was sich zwischen Tür und Angel ansprechen lässt.
  • Trefft euch persönlich.
  • Ein ausgedehnter Spaziergang in der Natur kann ein guter Rahmen für ein Gespräch sein. Zudem nimmt die Bewegung ein bisschen Spannung aus der Situation.
  • Lass dein Kind ausreden und versuche, ihre bzw. seine Sichtweise zu verstehen.

Gut zu wissen:

Egal welche Entscheidung dein Kind bezüglich der Kinderfrage trifft – es ist ihre bzw. seine Entscheidung und du solltest diese respektieren und akzeptieren. Und fest steht auch: Dein Kind liebt dich! Sich gegen eigene Kinder zu entscheiden, hat nichts mit euch als Eltern zu tun.

Reden ist manchmal gar nicht einfach

Tipps für den Anfang

So könntest du ein Gespräch einleiten:

  • “Darf ich dich etwas Persönliches fragen? Du musst nicht antworten, wenn du nicht möchtest. Gibt es einen Grund, warum du keine Kinder hast oder möchtest?”
  • “Ich würde dich gerne etwas persönliches fragen, wenn das für dich ok ist. Du hast mir mal erzählt, dass du keine Kinder bekommen möchtest. Magst du mir erklären, warum du dich so entschieden hast?
  • Ich möchte mit dir gerne über ein Thema reden, das mich schon lange beschäftigt. Wenn du nicht darüber reden möchtest, ist das aber völlig in Ordnung. Mir ist aufgefallen, dass du nie über Kinder sprichst. Gibt es dafür einen Grund?

Niemals eigene Enkelkinder:

Wie kann ich trotzdem Oma oder Opa sein?

Wenn sich die eigenen Kinder gegen Kinder entscheiden und die Enkelkinder ausbleiben, bricht für viele ältere Menschen eine Welt zusammen. Großeltern zu sein gehört für viele einfach zum idealen Lebenslauf dazu. Darüber hinaus erfahren speziell ältere Frauen Druck aus ihrem Umfeld. Fragen wie: “Wie, du hast noch keine Enkelkinder?” oder “Wann wirst du denn endlich Oma”? fallen in Freundeskreisen ab 60+ nicht selten. Wenn dann auch noch voller Stolz Babyfotos herumgezeigt werden, sind viele Senior:innen tief traurig, dass sie keine eigenen Enkel haben.

Darum möchten Menschen so gerne Oma und Opa sein

  • Senior:innen berichten, sie hätten viel zu geben und möchten sich gebraucht fühlen.
  • Wer nie eigene Kinder hatte, möchte das vielleicht nachholen.
  • Einige Senior:innen wünschen sich den Zusammenhalt einer Familie.
  • Viele wünschen sich den Umgang mit Kindern, ohne den Stress des Elternseins zu haben.
  • Der biologische Instinkt, seine Gene weiterzugeben, kann auch eine Rolle spielen.

Wer keine eigenen Enkelkinder hat oder haben wird, kann trotzdem Opa oder Oma sein. Versuche, das Großeltern sein eher als Einstellungssache zu sehen. Du kannst deine Oma-Qualitäten nämlich auch anders unter Beweis stellen: Gibt es z.B. in deiner Nachbarschaft Familien, die Unterstützung in der Kinderbetreuung oder beim Kochen und Backen brauchen? Oder bieten Vereine Events zum Generationenaustausch an? Einige Krankenhäuser sind sogar auf die Unterstützung von Freiwilligen zum sogenannten Babycuddling angewiesen. Hier geht es darum, Babypaten zu finden, die durch Knuddeln und Körperkontakt Frühchen oder Babys mit Behinderung unterstützen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeiten, als “Granny Aupair” eine Familie im Ausland zu unterstützen. Wen du lieber hier in Deutschland bleiben möchtest, kann du dich bei “Granny als Nanny” anmelden. Dort wird zwischen Familien, die eine Nanny brauchen und Senior:innen vermittelt.

Viele Familien freuen sich über eine Granny-Nanny.

 

 

Projekt "Wunschgroßeltern":

So kannst du ohne Enkel Oma oder Opa sein

Das Projekt “Wunschgroßeltern” wird in ganz Deutschland von verschiedenen Vereinen getragen und richtet sich an Senior:innen, Eltern und Kinder gleichermaßen.

"Wunschgroßeltern"

Hilfe zur Selbsthilfe

Die Idee ist, ältere Menschen mit Kindern und Jugendlichen zusammenzubringen, um voneinander zu lernen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Erinnerungen zu schaffen. Besonders Senior:innen ohne eigene Enkelkinder und Kinder ohne Großeltern profitieren vom gegenseitigen Austausch. Das Projekt “Wunschgroßeltern” sucht immer freiwillige Senior:innen, die sich ehrenamtlich für Familien und Kinder engagieren möchten.

  • Du hilfst Familien mit Kindern bei der Kinderbetreuung.
  • Du kannst Wissen, Erfahrung und Liebe geben.
  • Der Austausch zwischen den Generationen ist sehr wertvoll.
  • Durch den Umgang mit Kindern bleibst du fit.
  • Du bist Vorbild für deine Wunschenkel.
  • Ausflüge oder Projektarbeiten kannst du gemeinsam mit deinen Wunschenkeln erleben.
  • Ein familiärer Zusammenhalt kann entstehen.
  • Du wirst gebraucht.

Du kannst dich auch direkt an deine Stadt oder Kirchengemeinde wenden. Das Projekt “Wunschgroßeltern” gibt es häufig auch in kleinen, regionalen Verbänden. Manchmal trägt das Projekt auch den Namen “Leihoma”.

Kindern die Welt des Lesens zeigen, toll.

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