Und plötzlich kam Corona

Sandra Schwarcke Mitarbeiterin der Novitas BKK meistert ihren Arbeitsalltag

„Die Corona-Situation hat mein Arbeitsleben komplett auf den Kopf gestellt.“

Als Personalentwicklerin war ich bis dahin der Meinung, ich muss mittendrin sein, dort, wo das Arbeitsleben stattfindet. Homeoffice? Bäh, nee, nur im Notfall, da gibt’s eh nur zu viel Ablenkung…

Ich kann mich noch gut an die Situation im März 2020 erinnern. Am 13. März wurde der bundesweite Lockdown von der Bundesregierung beschlossen – wer konnte, sollte ab sofort aus dem Homeoffice arbeiten, an Dienstreisen war gar nicht mehr zu denken. Den Arbeitsalltag, wie ich ihn kannte und wie er sich auch für mich und meine Familie eingespielt hatte, gab es von einen auf den anderen Tag plötzlich nicht mehr.

 

 

Plötzlich saß ich zuhause, mit einem Mann, der ebenfalls von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice „verbannt“ worden war und zwei Jungs im besten „jetzt wird’s schwierig“-Alter, „verbannt“ aus der Schule, geschickt mit den besten Wünschen in eben jenes Homeoffice, in dem ich fortan produktiv und kreativ arbeiten sollte. Arbeitszimmer? Ähm…nein? Zwei Arbeitszimmer – schon gar nicht.

 

Lesezeit

Wie bekomme ich Beruf und Familie unter einen Hut?

Die neue Routine ist, dass wenig Routine gibt! Für mich als sehr strukturierten, „ich-hab-für-alles-einen-Plan-oder-eine-Liste-Menschen“ war das anfangs sehr schwer auszuhalten.

Die Versuche der ersten Wochen, in der wir noch von einer „aufregenden Übergangszeit“ sprachen, bis alles wieder normal ist, waren schon denkwürdig – und haben mich gefühlt 10 Jahre altern lassen.

Meine Versuche, alle Haushaltsmitglieder bei Laune zu halten, dabei eine zeitliche Struktur im Tag zu schaffen, für den dringenden sportlichen Ausgleich der Jungs zu sorgen, Langeweile zu vertreiben, abwechselnd bei Schulaufgaben zu helfen, gesundes Essen zu servieren, den Haushalt zu schmeißen UND kreative Ergebnisse bei der Arbeit abzuliefern, waren, im Rückblick betrachtet, schon gleich zum Scheitern verurteilt.

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Disziplin ist gefragt

Inwischen haben wir einen guten Kompromiss gefunden, eine Mischung aus ein bisschen Struktur und Zusammenarbeit und gesundem „Laufenlassen“. Ein GEMEINSAM muss man schließlich lernen, auch als Familie! Aus zwei improvisierten Arbeitsplätzen am Wohnzimmertisch sind zwei feste, räumlich getrennte Arbeitsplätze geworden.

Tatsächlich gibt es gute Tage und Tage „mit Luft nach oben“. Gemeinsam in einem Haus arbeiten und leben bedeutet unglaublich viel Disziplin für alle, schließlich sind wir seit Monaten fast täglich 24 Stunden zusammen. Corona war für jeden von uns ein Lernprozess, und dazu gehört nicht nur das Abstand-halten, Hände waschen, Social Distanzing.

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Jeder Tag bringt neue Herausforderungen

Wir mussten uns eigene Tagesabläufe schaffen, weil es keine festgelegten Tage mehr gibt. Die Jungs haben gelernt, nicht einfach durchs Wohnzimmer zu springen, weil Papa in der Bücherecke arbeitet und man da in der Regel in eine Videokonferenz platzt. Geschlossene Türen bedeuten: „ich kann gerade nicht gestört werden“ oder „ich brauche jetzt mal Ruhe“.

Vorpubertäre Launen des 11-jährigen und Streitereien gehören dazu wie Diskussionen um den-Geschirrspüler-ausräumen – aber auch Kinder, die mal eben einen Kuchen für alle backen, weil „Mama und Papa heute so einen schlimmen Arbeitstag haben“.

Und plötzlich tobt der Lichtschwertkampf in der Videokonferenz

Ein besonderes Corona-Highlight war für mich tatsächlich die Anfangszeit, als ich noch davon ausgegangen bin, dass spätestens im Sommer alles wieder vorbei ist und wir wieder „normal arbeiten gehen“ – meinem Mann einander gegenübersitzend am Wohnzimmertisch in parallelen Videokonferenzen zu arbeiten, dabei unser Freund und Helfer – die Kaffeemaschine – nur 4 Schritte entfernt in der Küche.

Eine Videokonferenz mit meiner Geschäftsleitung führend, während hinter mir auf der Terrasse (gut im Bild zu erkennen und im Ton zu hören) draußen ein aufsehenerregender Star Wars-Lichtschwertkampf zwischen einem 11-jährigen Skywalker und einem 8-jährigen Darth Maul tobt.

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Volle Unterstützung vom Arbeitgeber

Die Geschäftsleitung der Novitas BKK hat sehr früh und umsichtig reagiert und so viel Homeoffice-Möglichkeiten geschaffen wie möglich. Insbesondere in meiner Situation als berufstätiger Mutter habe ich durch meine Vorgesetzten ganz viele Freiräume und Verständnis erfahren. Meine Arbeitszeit kann ich sehr flexibel gestalten, z. B. früh morgens starten oder bis weit in den Abend arbeiten. So konnte ich in einer ganz schlimmen Phase beispielsweise meine Arbeitszeit für 3 Monate um knapp die Hälfte reduzieren, weil es zuhause einfach noch nicht anders lief.

Als es nach den eh schon verlängerten Schulferien um die Weihnachtszeit wieder losgehen sollte und der Lockdown wieder einmal verlängert werden musste, war ich tatsächlich so fertig und gefrustet – wie soll das denn noch weiter gehen hier zu Hause?

An meinem ersten Arbeitstag nach den Weihnachtsferien habe ich dann eine Mitteilung unserer Geschäftsleitung gelesen, die alle Mitarbeiter mit Kindern noch einmal auf die vielen Arbeitgeber-Angebote hingewiesen hat und sie ausdrücklich ermutigte, diese zu nutzen und auch mit dem Vorgesetzten zu sprechen, wenn es trotz allem nicht mehr gehe. Das hat mich so gefreut und motiviert! Diese monatelange Doppelbelastung von berufstätigen Eltern wird bei uns wahrgenommen und gemeinsam nach Lösungen gesucht.

Wir können Krise

Die wichtigste Erfahrung ist für mich „wir als Familie, wir können Krise!“ J Tatsächlich hat sich für uns ein intensiveres Familiengefühl entwickelt. Wir haben gelernt, mehr auf die anderen Familienmitglieder zu achten, Rücksicht zu nehmen, füreinander da zu sein. Gemeinsam machen wir das Beste aus der Situation. Es haben sich wirklich tolle Urlaube zu Hause ergeben, was ich niemals für möglich gehalten hätte.

Was ich auch gelernt habe: Arbeiten geht auch anders! Für mich vorher undenkbar, kann ich mir nun wiederum nicht mehr vorstellen, die komplette Arbeitszeit nur im Büro zu verbringen. Ich habe mir zuhause einen kompletten Arbeitsplatz mit vernünftigem Schreibtisch und Bürostuhl, Beleuchtung, Ablagemöglichkeiten und technischem Equipment eingerichtet. Eine Kombination aus Arbeitstagen im Homeoffice und Tagen im Büro wäre für mich zukünftig die perfekte Alternative.