Krebs in Zeiten von Corona

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Eine Betroffene berichtet:

„Die Angst ist immer da“

Wie Julia M. innerhalb eines Jahres zur Risikopatientin wurde

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„Ein Dreivierteljahr bin ich durch die Hölle gegangen und habe den Tag herbeigesehnt, an dem die Chemo, die OP und die Reha hinter mir liegen und ich wieder rausgehen und mich mit Freunden treffen kann. Und dann war es endlich soweit und ich wurde zur Risikopatientin erklärt.“

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Schmerzen bestimmen das Leben

Noch vor einem Jahr wäre Julia M. nicht im Traum auf die Idee gekommen, sich selbst zu einer Risikogruppe zu zählen. Warum auch? Von Corona hatte noch keiner was gehört und auch sonst gab es für sie keinen Grund zur Sorge. Zumindest glaubte sie das. „Die ersten Beschwerden traten im Frühling 2019 auf, ich musste ständig zur Toilette und es brannte beim Wasserlassen“, erinnert sich die 33-Jährige. „Ich vermutete eine Blasenentzündung und dachte mir nichts dabei, da die Beschwerden kurz darauf wieder nachließen.“ Vermeintlich genesen, genießt die Friseurmeisterin den Sommer zunächst in vollen Zügen. Sie besucht Freunde in Leipzig, macht Urlaub in Barcelona und fährt anschließend auf ein großes Musikfestival. Doch die Schmerzen kommen zurück und eines Nachts findet sie sich unter Tränen in ihrem Badezimmer wieder.

Schockierender Befund

„Ich konnte weder sitzen noch liegen noch stehen, es war der Horror“, berichtet die Patientin, deren Frauenarzt zwei Tage später den Verdacht auf eine verschleppte Blasenentzündung äußert und ihr ein Antibiotikum verschreibt. Als es ihr beim Folgetermin in der Woche darauf noch immer nicht besser geht, überweist der Gynäkologe sie direkt ins Krankenhaus. Julia wird stationär aufgenommen und bereits am nächsten Tag operiert. „Auf der CT-Aufnahme war ein Schatten auf meiner Blase zu erkennen, weshalb mir eine Gewebeprobe entnommen werden musste. Drei Tage später ging ich wieder arbeiten.“ In der Woche darauf dann der schockierende Befund: Aggressiver Blasenkrebs – Julias Blase muss komplett entfernt werden. Ihre angrenzende Gebärmutter und die Eierstöcke ebenfalls. Als es im November schließlich soweit ist, hat die 33-Jährige bereits acht Chemo- und vier Immuntherapien hinter sich.

Urlaubsende: Coronavirus

Julia kämpft. Doch während des langen Krankenhausaufenthaltes und der anschließenden stationären Reha hat sie nur ein Ziel vor Augen: Wenn alles überstanden ist, will sie sich mit einem Urlaub belohnen und fernab des grauen Alltags etwas Sonne tanken. Im Februar 2020 ist es endlich soweit: Julia packt ihren Koffer und fliegt auf die Kanaren. „Endlich hatte ich das Schlimmste überstanden“, erinnert sie sich an die ersten Urlaubstage zurück. „Das Wetter war traumhaft und zum ersten Mal nach all den Monaten konnte ich nicht nur den Moment genießen, sondern auch wieder nach vorne schauen.“ Doch die Freude ist nur von kurzer Dauer. In den Medien wird nun auch in Europa vor dem neuartigen Coronavirus gewarnt. Die Ereignisse überschlagen sich und plötzlich ist auch in Deutschland von ersten Reisewarnungen die Rede. „Es war beängstigend, die Polizei wies uns an, auf den Zimmern zu bleiben und das Hotel wurde von Tag zu Tag leerer. Immer mehr Gäste reisten vorzeitig ab – aus Angst, nicht mehr nach Hause zu kommen.“

Plötzlich Risikopatientin

Als ihr Abreisetag gekommen ist, tritt Julia den Rückflug mit einer selbstgebastelten Atemschutzmaske an, da auf der Insel keine zu bekommen sind. „Die Stimmung am Flughafen war gespenstisch“, erinnert sie sich. „Doch das Schlimmste war, dass wir einen Corona-Verdachtsfall an Bord hatten, der alleine in der letzten Reihe saß. Vor ihm ließ die Besatzung drei Reihen frei – mein Platz war in der Reihe davor. Das waren die längsten viereinhalb Stunden meines Lebens.“ Zuhause angekommen, begibt sich die Krebspatientin für zwei Wochen in freiwillige Quarantäne und erst als die überstanden ist, kann sie aufatmen. Dennoch fällt Julia in ein Loch: „Ein Dreivierteljahr bin ich durch die Hölle gegangen und habe den Tag herbeigesehnt, an dem die Chemo, die OP und die Reha hinter mir liegen und ich wieder rausgehen und mich mit Freunden treffen kann. Und dann war es endlich soweit und ich wurde zur Risikopatientin erklärt.“

Achtsam im Alltag

Die 33-Jährige hält sich an die Empfehlungen, meidet Bus und Bahn und verlässt die Wohnung anfangs nur für Arzttermine. Doch ihre Angst schwindet mit der Routine und mittlerweile hat sie sich an die neuen Umstände gewöhnt: „Inzwischen gehe ich in überschaubaren Geschäften auch wieder selbst einkaufen. Und dank des schönen Wetters, muss ich zum Glück auch nicht mehr komplett auf meine Freunde verzichten“, berichtet Julia. Doch die aktuellen Lockerungen und die zunehmende Sorglosigkeit der Menschen stimmen sie nachdenklich: „Ich finde es erschreckend, wie rücksichtslos sich manche Leute verhalten. Im Supermarkt sieht man immer mehr Menschen, die ihre Maske runterziehen, sobald sie durch die Tür kommen und auch an die Abstandslinien im Kassenbereich scheint sich niemand mehr zu halten.“ Eine berechtigte Sorge, denn infiziert sich die immungeschwächte Risikopatientin, deren Therapie noch nicht abgeschlossen ist, bei einer unvorsichtigen Person mit COVID-19, kann die Erkrankung einen schweren Verlauf bei ihr nehmen und im schlimmsten Fall tödlich enden.

Rücksichtslose Mitmenschen

In Panik verfällt Julia trotzdem nicht: „Natürlich habe ich Angst, doch meine Freunde und meine Familie verhalten sich alle sehr vernünftig, deshalb gilt meine Sorge in erster Linie der Gesellschaft als Ganzes und weniger meinem privaten Umfeld. Mir ist es egal, wenn ich blöd dafür anguckt werde, wenn ich die Straßenseite wechsle oder an der Kasse jemanden bitte, mehr Abstand zu halten. Ich wünschte bloß, die Leute würden aufhören, sich wie trotzige Kinder zu verhalten und mehr Rücksicht auf gefährdete Personen nehmen – auch auf diejenigen, die nicht auf den ersten Blick als solche zu erkennen sind.“ Ein wichtiger Punkt, denn nicht allen Menschen sind ihre Vorerkrankungen anzusehen. Manche Risikopatienten wissen selbst nicht mal, dass sie zu einem gefährdeten Personenkreis gehören. Umso wichtiger ist es, im Alltag aufeinander zu achten und sich auch in Zukunft an die Verhaltensregeln zu halten. „Es ist ja nicht für immer“, räumt Julia ein. „Und wenn wir uns noch ein bisschen zusammenreißen, können wir vielleicht schon nächstes Jahr wieder zusammen auf Konzerte gehen.“

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Und wenn noch Fragen offen sind:

Hier die wichtigsten Links zum Coronavirus

BZgA

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist eine Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Online gibt sie die richtigen Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Corona-Virus.

https://www.infektionsschutz.de/coronavirus-sars-cov-2.html

Robert Koch Institut

Das Robert Koch Institut bietet Dir umfassende Informationen zum Thema Covid-19

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html

Bundesgesundheitsministerium

Das Ministerium hat die wichtigsten Fakten hier zusammengetragen:

https://www.zusammengegencorona.de/informieren/

Corona-Portale der Bundesländer

Über diese Seite gelangst du zu den Corona-Portalen der Bundesländer, wo du die Wiedereinreisebedingungen aus den Corona-Risikogebieten recherchieren kannst.

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/corona-bundeslaender-1745198

WHO räumt mit Fake-News auf

Die WHO hat einige Mythen rund um das Corona-Virus auf den Prüfstand gestellt. Nachrichten zu Knoblauch, Mücken oder elektrischen Händetrocknern werden mit lustigen Grafiken unter die Lupe genommen.

https://www.who.int/emergencies/diseases/novel-coronavirus-2019/advice-for-public/myth-busters

 

Impfstoffe gegen Covid-19

Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller informiert auf seiner Homepage über 46 Impfstoffprojekte, die bereits angelaufen sind.

https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov

Tipps für die Quarantäne

Eine Quarantänesituation ist eine Schutzmaßnahme. Sie kann aber auch eine Belastung sein. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe gibt nützliche Tipps für diese Situation.

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/COVID-19_Tipps_bei_haeuslicher_Quarantaene.pdf