Wenn Lena als Leo geboren wird.

Lesezeit

Transidentität ist ein Thema, das Eltern zunächst verwirrt und erschreckt. Wenn das eigene Kind auf einer geschlechtlichen Identität besteht, die dem offensichtlich Körperlichen widerspricht, löst das bei vielen Ängste, Wut oder Unsicherheit aus.

Doch der Unsicherheit der Eltern und Bezugspersonen steht eine zweifelsfreie Sicherheit der trans*Kinder gegenüber. Sie wissen, wer sie sind. Diese Sicherheit müssen Eltern und Umwelt ernst nehmen. Nur so können sie ihrem Kind ein glückliches und gesundes Leben ermöglichen.

Wenn die Phase keine Phase ist.

Paul lässt sich einen Zopf flechten, Anna schminkt sich einen Bart. Das Spiel mit Geschlechterrollen ist normaler Bestandteil des Heranwachsens.

Doch was, wenn es kein Spiel ist? Wenn mein Kind mit zunehmender Vehemenz darauf besteht, ein anderes als das bei Geburt zugewiesene Geschlecht zu haben?

Die erste Begegnung mit der Transidentität ihres Kindes verläuft für die meisten betroffenen Eltern ähnlich. Selbst wenn sie verständnisvoll und gelassen mit dem »Mädchenspiel« ihres Sohnes oder dem »Jungentick« ihrer Tochter umgehen, so rechnen sie insgeheim doch damit, dass sich diese Phase irgendwann legt.

Bei einem Transkind wird dies jedoch nie geschehen. Sie durchlaufen keine Phase, sie zeigen ihre wahre Identität. Transidentität zeigt sich in sehr vielen Fällen bereits in frühen Jahren, oftmals im Alter von zwei bis fünf.

Die geschlechtliche Identität ist zu diesem Zeitpunkt bereits voll manifestiert. Es gibt kein »zurück« ins andere Geschlecht, denn das trans*Mädchen oder der trans*Junge waren niemals jemand anders.

Die Anzeichen ernst nehmen.

  • Kinder wollen einfach so sein, wie sie sind. Es kann sein, dass sie lieber die Kleidung des anderen Geschlechts tragen möchten. Oft engagieren sie sich besonders stark in Spielen und Aktionen, die eigentlich mit dem anderen Geschlecht in Verbindung gebracht werden.
  • Das allein muss noch nicht auf eine Geschlechtsdysphorie hindeuten. Auch andere Kinder stellen unsere allzu einfachen Vorstellungen von Junge und Mädchen infrage.
  • trans*Kinder werden jedoch zumeist stärker darauf bestehen, tatsächlich zum anderen Geschlecht zu gehören. Sie beginnen, auf das zunehmende Gefühl der Unstimmigkeit in ihrem Leben zu reagieren. Möglicherweise reden sie von der Fee, die ihnen nachts den Pippimann wegzaubern wird. Oder sie fragen ihre Eltern, wann ihre Scheide verschwindet.
  • Manche hoffen, irgendwann in ihrem empfundenen Geschlecht aufzuwachen oder bestehen auf einem für sie passenden Vornamen. Erfahrungsberichte von Eltern schildern Fälle, in denen sich ein trans*Mädchen mit dem Puppenmesser versuchte, den Penis abzuschneiden.

Zuspruch und Akzeptanz der Eltern sind entscheidend.

Vielen Eltern wird die wahre Natur ihres Kindes leider erst dann bewusst, wenn ihr Kind Anzeichen von seelischem Leid zeigt.

Tiefe, anhaltende Traurigkeit, ein negatives Verhältnis zu den eigenen Genitalien, Selbsthass oder eine Tendenz, sich selbst Schmerz zuzufügen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen Eltern handeln, um ihr Kind vor nachhaltigem Schaden zu bewahren.

Die Akzeptanz durch die eigenen Eltern ist besonders wichtig. Kinder brauchen Verbündete, sie brauchen Liebe und Anerkennung.

Elterliche Sicherheit und Zuspruch sind sehr wichtige Schutzräume für eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung. Eltern sollten ihr Kind ernst nehmen und liebevoll und offen mit der Situation umgehen.

Wer in seinem unmittelbaren Umfeld geliebt und angenommen wird, der entwickelt leichter ein natürliches Selbstbewusstsein und eine gesunde, glückliche Psyche.

Der Einschnitt der Pubertät.

Die körperlichen Veränderungen der Pubertät sind für jedes Kind der entscheidende Einschnitt auf dem Weg zum Erwachsenen. Für trans*Kinder ist jedoch bereits die Vorstellung von diesem Prozess mit psychischem Stress verbunden.

Ihr Körper entwickelt sich in der Pubertät in eine für sie falsche Richtung. Sein Körper wird zur Frau, obwohl er ein trans*Junge ist; einem trans*Mädchen wächst plötzlich ein Bart und der Stimmbruch setzt ein.

In dieser entscheidenden Phase kann eine psychologische und medizinische Begleitung besonders sinnvoll sein. 

Gemeinsam mit dem Kind müssen grundlegende Entscheidungen getroffen werden. Immer mehr Psychologinnen und Psychologen raten dringend, hierbei auf die Äußerungen und Bedürfnisse der trans*Kinder einzugehen.

Die eigenen Ängste bewältigen.

Wer erkennt, dass das eigene Kind ein trans*Mädchen ist, der verliert mit dieser Erkenntnis auch einen Sohn. Und ein trans*Junge lässt für Eltern alle Ideen, Wünsche und Vorstellungen zur eigenen Tochter platzen.

Es ist verständlich und menschlich, wenn Eltern auf diesen unerwarteten Einschnitt zunächst mit Ängsten, Verzweiflung oder sogar Wut reagieren.

Hinzu kommt oft eine Angst vor Mobbing und Ausgrenzung des eigenen Kindes. Was werden Verwandte, Omas, Opas, Freunde sagen? Wie reagiere ich, wenn man mir vorwirft, mein Kind nicht »richtig erzogen zu haben«? Wie soll ich meinem Kind Kraft und Zuversicht geben, wenn ich selbst mit Ängsten und Sorgen kämpfe?

Der Umgang mit der Transidentität eines eigenen Kindes ist für viele Eltern zu Beginn eine Herausforderung und ein Lernprozess. Austausch mit Gleichgesinnten oder psychologische Hilfe können Eltern hierbei unterstützen.

Abschließende Infobox

Hier können hilfreiche Links, Hotline-Nummer oder sonstige verknüpfte Informationen abgebildet werden