Mein Corona – Jahr

Nina Lukow

 

Als im März Corona in Deutschland immer präsenter wurde und der Lockdown drohte, war ich gerade in einer Traumaklinik. Als ich Anfang April nach Hause kam, war nichts mehr so, wie es war. Von jetzt auf gleich musste ich damit klarkommen, überwiegend allein zu sein. Davor hatte ich aufgrund meiner Ängste schon ziemlichen Respekt. Nach kurzer Eingewöhnungszeit konnte ich dann aber auch schnell die positiven Aspekte der Situation für mich sehen: Ich war nicht mehr gezwungen von Termin zu Termin zu hetzen, was im Gesamten mein Leben entspannter gemacht hat. Ich war ziemlich davon angetan, wie viele Selbsthilfegruppen und Selbstvertreterorganisationen ihr analoges Programm von jetzt auf gleich auf Online-Angebote umstellten. Das hatte für mich die positiven Aspekte, dass ich mich auf einmal mit Menschen vernetzten konnte, die ganz woanders wohnen und die ich sonst nie kennengelernt hätte. So bin ich auch auf die Aktivitäten der Selbstvertreterorganisation Kellerkinder e.V. gestoßen. Mittlerweile nehme ich regelmäßig ein- bis zweimal die Woche an Treffen von denen teil – zum Beispiel am „Nachtcafé“ und am „Peersupport“. Außerdem bin ich dort mit am Kritischen Psychopharmaka-Trialog aktiv beteiligt. (Auch interessiert? Dann melde dich. Wir suchen immer Leute, die aus eigener Betroffenheit oder als Angehörige oder als „Profi“ dort mitmachen möchten. Ich würde mich freuen, dich bei dem einen oder anderen Angebot der Kellerkinder auch kennenlernen zu können.)

tanja salkowski

Zwar musste ich alle Aktivitäten – Selbsthilfe, Ehrenamt, private soziale Kontakte – im letzten Jahr notgedrungen von zuhause aus machen, aber immerhin konnte ich dabei zum Teil meinem sonnigen Balkon nutzen!

Aber so wie es momentan wohl vielen Leute geht, ist das Thema Einsamkeit für mich trotzdem ein großes geworden. Und die Online-Kontakte haben das dann auch nicht mehr abfangen können. Zu diesem Gefühl der Einsamkeit haben viele Faktoren beigetragen, zum Beispiel, dass ich kaum noch Leute direkt getroffen habe, auch weil meine Familie besorgt war, mich anzustecken und daher Besuche eher vermieden hat. Und dass eine OP anstand, in einer Situation, in der klar war, dass Besuche im Krankenhaus nicht möglich sein würden. Was mir gegen die Einsamkeit geholfen hat, war dass ich das offen angesprochen habe gegenüber meinen Freunden und Familie und es dann doch geklappt hat, Lösungen zu finden – zum Beispiel sich draußen zu treffen.

Ich hoffe, auch eure Corona-Erfahrungen waren nicht nur schlecht und ich hoffe, auch ihr hattet die Möglichkeit, euch Unterstützung zu holen. Was hat euch geholfen, durch die letzten Monate zu kommen? Schreibt es gerne in das Kommentarfeld.

Text vom 25.1.2021: „Mein Corona Jahr“

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Autorin: Nina Lukow